Unwetter-Forschung

10. 08. 21


 Februar-Unwetter von Madeira wissenschaftlich betrachtet

AACHEN (cl) Die Studentin Verena Bauer (28) hat sich das Unwetter vom 20. Februar 2010  auf Madeira ausgesucht, um das "Jahrhundertereignis" wissenschaftlich zu betrachten. Mit der Arbeit möchte die junge Geowissenschaftlerin den akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) / Angewandte Geographie erreichen.
Hier die Einleitung zu ihrer Arbeit:


Warum kam es zu dem Unglück?

Madeira. Die Blumeninsel im Atlantik. Bekannt für ihr ausgeglichenes und ganzjährig mildes Klima. Dass sich auch hier klimatische Eskapaden ereignen können, wurde spätestens am 20. Februar 2010 klar, als die Nachrichten plötzlich voller Meldungen über das Jahrhundertunwetter auf der Atlantikinsel waren. (Foto links: Ruinen im Tal des Ribeira Brava).

Innerhalb dieser Arbeit wird zunächst die allgemeine Geographie und Geologie des Madeira-Archipels angesprochen. Dann folgt die Analyse des Potentials von georisiken, welches Madeira aufweist. Die wichtigsten Georisiken werden bezüglich ihres Mechanismus erklärt. Anschließend wird die Vergangenheit der Insel beleuchtet - wann gab es bereits ähnliche regeninduzierte Schäden? Hieran schließt die Thematik des aktuellen Unwetters an. Die Arbeit endet mit einem kurzen Diskussionsteil.

Vom 23. Februar bis 3. März 2010 war eine Feldkampagne nach Madeira geplant, um dort eine Erfassung potentieller Georisiken durch verschiedene Massenbewegungen vorzunehmen. (Grafik: Niederschlagstabelle vom 20. Febr. 2010) Am 20. Februar ereignete sich das stärkste und verheerendste Unwetter seit vielen Jahrzehnten auf der Atlantikinsel. Diese Katastrophe bot der Studiengruppe aus wissenschaftlicher Sicht spannende und seltene Daten. Als Grundlage für diese Arbeit dienten die Gelände- und Schadenskartierungen zur Erfassung der Auswirkungen des Unwetters. Alle verwendeten Fotografien wurden, sofern nicht anders vermerkt, während dieser Kartierung selbst gemacht.

Verena Bauer geht in ihrer Arbeit u.a. auf die Geographie Madeiras mit ihren großen regionalen Unterschieden in den Klimaverhältnissen, den Böden, der Vegetation und Morphologie ein und das, obwohl es sich um eine vergleichsweise kleine Insel handelt. Recht ausführlich widmet sich Verena Bauer dem Klima, den Böden, der Vegetation, der Topographie/Geomorphologie, der Geologie und Vulkanismus. Madeira hat sich nach anderen Forschungsergebnissen vor 5 Millionen Jahren aus dem Meer erhoben. Vor 6000 Jahren war vermutlich der letzte vulkanische Ausbruch auf der Insel. Touristen brauchen keine Sorgen haben, denn das Archipel gilt als vulkanisch inaktiv. Auch nennenswerte Erdbeben habe es in jüngerer Zeit nicht gegeben. (Links: Relief von Funchal u. Umgebung). Die wissenschaftliche Arbeit nennt aber einen Tsunami im Jahr 1522 als Folge des Almería-Bebens. 1748 zerstörte ein Erdbeben Teile Funchals und 1755 spürte Madeira das große Lissaboner Erdbeben und im Gefolge damit einen Tsunami. Auch die großen Waldbrände von 2003 und 2006 in der Nähe von São Vicente werde genannt. Die verheerenden Waldbrände im August 2010 konnten natürlich nicht in der Arbeit erfasst werden. Und dann schreibt Verena Bauer: "Die größten Naturgefahren auf Madeira gehen jedoch eindeutig von Starkniederschlägen aus, die die Insel im Winterhalbjahr regelmäßig treffen (WAKONIGG 2008:244)".

In der Arbeit wird selbstverständlich auch auf die vielen Bausünden hingewiesen, die die mehr oder minder steilen Hänge zum Beispiel rund um Funchal zum Teil destabilisiert haben. Breiten Raum nahm die Erforschung der drei Ribeiras in Funchal ein, die zum Teil durch einengende Betonwände kanalisiert und im unteren Verlauf des Ribeiro de Sao Joao sogar überbaut sind, mit den bekannten Folgen bei Extremwetterlagen. (Links: Historische Darstellung der Regenkatastrophen von 1724 bis 2001).

Madeira-News ist es nicht möglich, die mehr als 60-seitige wissenschaftliche Arbeit hier darzustellen. Sie ist mit vielen Bildern - auch Satelitenfotos - und grafische Darstellungen versehen. Das Madeira-News-Team bedankt sich bei der jungen Wissenschaftlerin Verena Bauer für die Nennung unserer Homepage in ihrer Arbeit. Madeira-News-Herausgeber Dieter Clarius hat der Wissenschaftlerin auf Anfrage mit aktuellen Informationen von der Insel  unterstützt, die er zum Teil aus örtlichen Tageszeitungen, aber auch von der Inselfeuerwehr erhielt. Der Journalist konnte aber auch aus eigener Anschauung berichten.

Verena Bauer stammt aus Simmerath / Eifel und studiert im sechsten Semester Angewandte Geographie auf Bachelor of Science. Bevor sie an die Uni Aachen ging besuchte sie die höhere Handelsschule für Abiturienten, absolvierte eine Ausbildung zur Industriekauffrau mit Europa-Qualifikation bei der Grünenthal GmbH. Nebenbei lernte sie Sprachen und machte in englisch den Abschluss als Fremdsprachenkorrespondentin. Auch Spamisch und Italienisch gehören zu ihrem Sprachschatz. Nach dem Bachelor-Abschluss will sie noch den Master of Science machen, sowie Ang. Geographie studieren. Schwerpunkte immer physisch, im Bachelor Klimatologie, Ökologie & Georisiken. Gegenüber Madeira-News sagt sie: "Mein größter Wunsch wäre es, nach dem Masterstudiengang in der Forschung zu bleiben. Und zwar im Bereich Neotektonik & Georisiken an der RWTH Aachen (dort sitzt auch ihr Bachelor-Vater). Auf jeden Fall würde ich mich gerne weiterhin mit Georisiken beschäftigen."

Inzwischen hat die Uni Aachen die Madeira-Aktuell-Seite verlinkt:

http://www.nug.rwth-aachen.de/index.php?p=Aktuelles


Porto Moniz Webcam

Hafen von Funchal

Madeira Webcam

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