Ein Paradie für Hochseeangler. Wenn der Atlantik vor Madeira "kocht", hält der Thunfisch Mahlzeit unter den Makrelen. Hunderte von Quadratmetern schäumende See zeigen an, dass die Raubfische auf Beutezug sind. Und dieses faszinierende Schauspiel weist den Sportfischern den Weg, wo sie den mächtigen Thun jagen können. Die Frühlingsinsel Madeira, 3000 Kilometer von Deutschland entfernt, bietet den Sport-Hochseefischern in ihren Kampfstühlen auf dem Achterdeck schneller Motoryachten mehr als viele andere "Fishinggrounds".Die subtropische Insel ist auf diese Petrijünger eingestellt.
Die Zahl der Bundesdeutschen und speziell der Rheinländer mehrt sich, die vom simplen Makrelenfang in der holländischen Nordsee oder von der Jagd auf den Dorsch in norwegischen Gewässern genug haben. Sie gelüstet nach größeren, stärkeren und kämpferischen Schuppentieren. Dass bei den Deutschen in immer stärkeren Maße beliebte portugiesische Eiland bietet in dieser Hinsicht alles, was des Atlantik-Fischers Herz begehrt. Marline, Schwertfische von zwei Metern Länge, Barakudas, Thune in jeder Größe, Haie, Rochen und andere tropische Fische gehen in den azurblauen, warmen Fluten an den Haken. Nach dem Biss beginnt der aufregende Drill, der harte, manchmal stundenlang dauernde Kampf mit der mächtigen Beute unter Wasser. Man fühlt sich an Hemingways "Der alte Mann und das Meer" erinnert, lediglich die Ausrüstung ist modernen geworden. Madeiras berühmtester Fisch, der außergewöhnlich wohlschmeckende Espada, entzieht sich den Sportanglern. Dieser in großen Tiefen lebende aalförmige Meeresbewohner lässt sich nur von Berufsfischern fangen und nachts aus fast 1500 Metern Tiefe aus dem Meer ziehen.
Madeira ist der Gipfel eines unterseeischen Berges. Einige Wissenschaftler vermuten dort das sagenumwobene Atlantis. Bis zu 7000 Meter Tiefe zeigt das Echolot der Vermessungsschiffe an. Eugenia Braz, ihre Freunde rufen sie Jeny, befehligt eine Flotte von vier Hochseeyachten, die für die Fischjagd speziell ausgerüstet sind. Es gibt Stammkunden, die sich schon seit Jahren ein schnelles Boot bei "Madeira Game Fishing" chartern. Der Düsseldorfer Sportfischer Rüdiger Jansen (36): "Angeln ist wie ein Lotteriespiel. Wenn vier Köder achteraus treiben, weiß man nie, ob einer und welcher genommen wird. Viele meinen, im Charterpreis müsste auf jeden Fall der Fang eines großen Fisches mit inbegriffen sein." Die Portugiesin hat den Umgang mit Wind, Wellen und Angel beim Nestor der europäischen Big Game Angelei, José Braz, bereits als junges Mädchen erlernt. Seekrankheit kennt die zierliche Frau nicht. Sie steht auch bei hohem Wellengang ihren Mann und macht darin so manchen ihrer manchmal recht raubeinigen Gäste etwas vor. Eugenia Braz und ihre Crew - die Männer sind alle versierte Berufsfischer, verstehen sich auf den Umgang mit der See, dem Angelgerät, dem Schiff und den großen Flossentieren.
Es vergeht selten ein Tag, an dem ihre Chartergäste nicht zentnerschwere Meerestiere an Deck ziehen. Das Seerevier vor Madeira ist außergewöhnlich fischreich. Da schwärmen der aus Mönchengladbach stammende Elektromeister Detlef Heidenreich und sein Freund Eugen Pohlmann, Inhaber eines kleinen Imbissgeschäftes: "Das ist ein richtiger Urlaub für harte Männer. Wir hatten einen 450 Kilo schweren blauen Marlin am Haken. Zwei Stunden haben wir hart gekämpft, dann lag der Fisch an Deck." Die erfolgreichen Angler haben viel vom Erlebnis, aber nichts vom Fang. Der ist Eigentum der Besatzung und wird an Hotels verkauft. Damit bestreiten die Berufsfischer ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Natürlich steht jedem Sportfischer frei, seine Beute zu erwerben.
Die Frage ist nur, was macht er mit einer halben Tonne Thunfisch oder Hammerhai? Das vom portugiesische Seefahrer Zarco im Jahr 1419 entdeckte Eiland hat für deutsche Urlauber mehr als nur Sonnenbaden und Fischen bereit. Bergwandern entlang der Levadas, dem berühmten Bewässerungssystem Madeiras, Golf und Tennis, Paragliding und Tauchen, Windsurfen und der Fünf-Uhr-Tee im berühmten Reid's Hotel, wo Winston Churchill und Richard von Weizsäcker ihn auch getrunken haben, tragen zur Erholung auf Madeira bei.