Eine Woche lang waren die jungen Leute bei Gastfamilien in Leichlingen untergebracht. "Die Verständigung klappt bestens. Was nicht auf Englisch funktioniert, geht dann mit Händen und Füßen", sagt Realschulleiter Lothar Becker, der seit Jahren diesen Schüleraustausch organisiert. "Leider sind in diesem Jahr weniger Schüler gekommen. Sonst waren es immer um die 30.
Wir haben zwar nicht darüber gesprochen, aber es war wohl das Unwetter vom 20. Februar, das einigen Familien großen finanziellen Schaden zugefügt hat. Es kann sein, dass auch Madeirensische Schülerfamilien von der Katastrophe betroffen wurden. Von drei Familien wissen wir, dass sie alles verloren haben," so der Schulleiter. Das Programm bot eine Fülle von Sehenswürdigkeiten im Umland für die Madeirenser, die mit sieben Begleitern am Düsseldorfer Flughafen am Donnerstag ankamen. Am Freitag machte man den obligatorischen Stadtrundgang. Etwa die Hälfte der Schüler war bereits in der Blütenstadt. Trotzdem war es abermals interessant, über die Funchal-Brücke zu gehen. In Funchal gibt es übrigens in der Nähe des Lido, dem städtischen Strandbad, eine Leichlingen-Straße. Dann für viele Gäste ein weiteres Abenteuer: Die Fahrt mit dem Zug nach Köln. Man muss wissen, dass es auf Madeira keine Eisenbahn, noch nicht einmal eine Straßenbahn gibt. Auch der Dom ist viel höher als die Sé, die Kathedrale in Funchal. Ein Spaziergang auf der Hohenzollernbrücke über den Rhein fanden die 17- bis 20-Jährigen ebenfalls außerordentlich bemerkenswert. Dabei fielen ihnen die vielen Schlösser auf, auf denen die Namen von romantischen Liebespaaren eingraviert sind. Zum Zeichen der unzerbrechlichen Treue werden die Schlüssel in den Rhein geworfen. Auch das Vorhängeschloss eines Madeirenser Feuerwehrmanns hängt hier. Die Gravur: Joel, Zecca und Edgar.
Die Mädchen der Reisegruppe fanden besonders den Einkaufsbummel in Köln hochinteressant. Für das Wochenende hat Schulleiter Becker sich für den Madeierenser "Lehrkörper" etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: Einen Ausflug nach Brüssel mit Stadtrundfahrt. "Leider war das EU-Parlament, wie an Wochenenden üblich, geschlossen," so Becker. Dann ging es weiter nach Bad Breisig, wo man für die Rückfahrt nach Bonn das Schiff benutzte. Natürlich stand auch ein Empfang bei Leichlingens Bürgermeister Ernst Müller auf dem Programm.
Ein Highlight im Schüleraustauschprogramm war der Besuch im Phantasialand bei Brühl. Einen ganzen Tag lang konnten sich die jungen Leute im Kinder- und Jugendparadies vergnügen. Am Dienstag stand Bonn auf dem Programm. Dort besichtigte man u.a. das Beethovenhaus, bevor alle zum gemeinsamen Mittagessen beim Chinesen "an Bord" ging. Dabei handelt es sich um ein schwimmendes Restaurant. Am Mittwoch war der Vormittag einer Wanderung zur Diependahlsperre vorbehalten, die etwas andere "Levadawanderung", wie man sie von Madeira her kennt.
Bemerkenswert für viele der Gäste waren die Häuser mit ihren spitzen Dächern und dem beschaulichen Leben in Leichlingen. Auch dass in Leichlingen und Umgebung nicht so viele Touristen unterwegs sind, fiel einigen Schülern auf. Die Schülerin Lucia Oliveira konnte sich nicht sattsehen am wolkenverhangenen Himmel über Leichlingen. Eigentlich das Wetter, was viele Leichlinger lieber mit dem Himmel über Madeira tauschen würden.
Nach einer Woche ging der ereignisreiche Besuch zu Ende, nicht ohne zu Wissen, wieder viele Freunde hüben und drüben gewonnnen zu haben. Lehrerin Humberta Correia, die schon zum sechsten Leichlingen besucht hat, ist immer noch über die Gastfreundschaft und die vom Schulleiter Lothar Becker ausgearbeitete Programmvielfalt begeistert. "Auch meine Kollegen und die Schüler schwärmen von der Reise nach Leichlingen," so Humberta
„Beeindruckt zeigten sich die Besucher, dass in Leichlingen bislang 10 000 Euro für die Hilfe der von der Flutkatastrophe betroffenen Madeirenser gespendet wurden. Mit dem Geld will man drei Schüler unterstützen, die bei der Katastrophe ihre Eltern und ihr Zuhause verloren haben,“ so Becker. Zusammen mit dem aus Camacha (Madeira) stammenden Chor „Mari dos Anjos“ gibt am 18. August, 19.30 Uhr, der Frauenchor Metzholz in der Aula des Schulzentrums am Hammer ein Benefizkonzert zugunsten der Opfer der Überschwemmungskatastrophe.